Sportlerehrung 2020

Sportlerehrung 2020 am 09.09.2021

Bühne frei für die Besten der Besten

Diese Sportlerehrung dürfte bereits als legendär in die Annalen der rheinischbergischen Sporthistorie eingegangen sein, noch bevor sie am Donnerstagabend begonnen hatte. Denn noch bevor die Hauptpersonen des Abends– die mit einer großartigen Beteiligung der Leser dieser Zeitung gewählten Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres 2020 – alle eingetroffen waren, schien die Siegerehrung buchstäblich unterzugehen:

Starkregen setzte Bühne, Trophäen und Urkunden unter Wasser. „Das Seepferdchen gibt’s gleich dazu“, behielt Kreissportbund-Geschäftsführer Henrik Beuning die Ruhe, während er mit seinem Team der Wassermassen Herr zu werden versuchte. ARD-Sportmoderator Tom Bartels, seit mehr als zehn Jahren Conférencier des Abends, bekannte „So etwas habe ich auch noch nicht erlebt“, und Christian Bonnen vom Vorstand der Kreissparkasse Köln, die die von Bergischer Landeszeitung und „Kölner Stadt-Anzeiger“ unterstützte Sportlerwahl des Kreissportbunds seit Jahren unterstützt, empfahl am Ende: „Trocknen Sie die Urkunden, rahmen Sie sie sich ein – an diesen Abend werden Sie immer denken.“ Das galt nicht nur für das Wetter, sondern auch für das hochkarätige Sportlerfeld, das an diesem Abend ausgezeichnet wurde.

Neben jeweils zehn nominierten Sportlerinnen, Sportlern und Mannschaften, für die Leserinnen und Leser ihre Stimme abgeben konnten, prämierte die Fachjury aus Kreissportbund, Sportjugend und Journalisten der Zeitungen und von Radio Berg auch die Sportlerin und den Sportler des Jahrzehnts. Schließlich hat die Sportlerwahl mit Leservotum zuletzt bereits ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Einer, der die Sportlerehrung in den vergangenen Jahren auch einmal moderiert hatte,fehlte: Für den kürzlich verstorbenen Wolf-Dieter Poschmann legte Moderator Tom Bartels eine Schweigeminute ein. Poschmann hatte seine Laufanfänge in den frühen 70ern beim TV Bensberg, im Trikot der LG Rheinberg wurde er 1973 Deutscher Vizemeister im Marathon.

Während das Kreissportbund- Team das Wasser im kurzfristig als Ausweichquartier genutzten Sälchen mit Bergen von Handtüchern und Aufnehmern zu bändigen verstand, erinnerte Kreissportbundvorsitzender und Vize-Landrat Uli Heimann in seiner Begrüßung auch an die Hochwasser-Verwüstungen von Mitte Juli, die den ohnehin bereits durch die Pandemie gebeutelten Sportvereinen zusätzlich zugesetzt habe. In Leichlingen und Rösrath seien ganze Sportanlagen zerstört worden.

Dass der Sport in den Vereinen trotz aller Schwierigkeiten lebendig ist, dafür sorgen neben den Sportlerinnen und Sportler auch die Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer, die der Kreis im Rahmen der Sportlerehrung auszeichnete. Zwischen fünf und 25 Jahren sind sie alle aktiv, der gesondert geehrte Heiner Philippek vom Tennisclub Grün-Gold Bensberg bereits 40 Jahre. Über eine trotz Pandemie ungebrochene Leserbeteiligung an der Sportlerwahl freute sich der Geschäftsführer der Redaktionsgemeinschaft von Bergischer Landeszeitung und „Kölner Stadt-Anzeiger“ sowie Verlagsleiter des Heinen-Verlags Hermann Steveker. Im Gespräch mit Moderator Tom Bartels, berichtete er, dass die Pandemie das tägliche Ziel der Journalisten, „nah bei den Menschen zu sein“, erheblich erschwert habe, man aber – wie auch bei der Sportlerwahl – eine Reihe neuer Wege gefunden habe. „Stiller Applaus für die Sportler des Jahres“ habe die Schlagzeile im Mai bei der zunächst in der Zeitung stattgefundenen Ehrung der Sportlerwahlsiegerinnen und -sieger geheißen:

„Schön, dass heute Abend noch eine persönliche Würdigung folgt“, sagte Steveker, bevor er gemeinsam mit Moderator Bartels die Sportler des Jahres auszeichnete. „Sie lässt sich Zeit“, meinte Sonja Ingenhoff, geborene Mosler, die von der Jury gewählte Sportlerin des Jahrzehnts. Hochschwanger erschien die frühere Mittelstrecklerin des TV Herkenrath zur Ehrung und verriet, dass der Geburtstermin ihrer Tochter für den Tag der Ehrung ausgerechnet sei. „Die Laufbahn ist ein guter Spielplatz“, sieht sie auch beim Nachwuchs sportliche Ambitionen. Glückwünsche brachte auch Hans-Jörg Schneider, Regionsvorstand des Leichtathletik- Verband Nordrhein, vorbei.

Als Vorbild für alle Sportler würdigte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Dr. Marc Schuh, den Sportler des Jahrzehnts. Als Rollstuhlsprinter war Schuh Weltmeister und Europarekordhalter. „Die internationalen Triumphe waren ausschlaggebend“, berichtete Bartels aus der Jury und mit Blick auf Schuhs Dauerkonkurrenten bei den Sportlerwahlen, den Karateka Alexander Heimann. Inzwischen sei er Softwareentwickler in München, berichtete Schuh unter anderem von der Arbeit an einem Künstliche-Intelligenz- Programm für einen Wildwasserkanal der Kanuten. Kunstturnerin Julia Dumrath, die Sportlerin des Jahres 2020, kam mit Trainerin Shanna Poljakova zur Ehrung und berichtete dass sie tägliches Training und Schule gut unter einen Hut bringe. Per Einspielung gratulierte auch die langjährige Bundestrainerin Ulla Koch. „Du kannst mich jederzeit anrufen“, ermunterte sie die Jugendliche. Grüße aus Charkiw in der Ukraine richtete Jan-Colin Völker, Sportler des Jahres 2020, in die Runde. Der Badmintonspieler vom TV Refrath stehe just zum Zeitpunkt der Ehrung vor seinem nächsten Spiel, verriet Abteilungsleiter Heinz Kelzenberg. Dass der Teamgeist besonders sei, war auch der rote Faden, als die Refrather Badmintonspieler als Mannschaft des Jahres 2020 geehrt wurden. Die Verbindung sei eng, und es hätten sich auch untereinander schon Pärchen gefunden, berichtete Spielerin Ann-Kathrin Spoeri. Martin Spicker, Manager der zweitplatzierten Rheinland Lions (Frauenbasketball), und eine Delegation der SV 09-Fußballer um Trainer Helge Hohl (Platz drei) wurden ebenfalls auf die Bühne gebeten. Von Mountainbikerin Stefanie Dohrn, der Zweitplatzierten bei den Frauen, gab es den Hinweis, dass Stürze gar nicht so schlimm seien; sie habe zuletzt nach einem Schlüsselbeinbruch schon zehn Tage danach wieder auf der Radrolle trainiert. Und Karl-Heinz König, Mittelstreckler des TV Refrath in der Altersklasse M70 und Dritter bei den Männern, berichtete zum Abschluss seiner Karriere, dass er als „Spätberufener“ im Laufsport erst mit 60 angefangen habe. „Siebenmal Deutscher Meister in der M70, ich war nicht schlecht“, entlockte ihm Tom Bartels.

(Quelle: Bergische Landeszeitung vom 11.09.2021, Guido Wagner und Claus Boelen-Theile)